kinderSPIELgarten
Neugestaltung der Außenanlage des Bewegungs- und Gesundheitskindergarten | Spremberg 2008

Spremberg liegt circa 30 km südlich von Cottbus. Die zu bespielende Außenanlage gehört zum Betriebskindergarten des Krankenhauses in Spremberg. Die KiTa ist zentrumsnah gelegen, befindet sich aber auch in Wald- und Wiesennähe, so beträgt die Entfernung zur Spree etwa 300 m. Dies galt, als wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts der KiTa, in den Entwurfsprozess einzubeziehen. Das 800 qm große Grundstück besteht aus zwei Teilbereichen, während der Großteil der Fläche auf dem Niveau der angrenzenden Bebauung liegt. Im Südosten des Grundstücks befindet sich ein Binnenraum, etwa 1,5 m unter Straßenniveau, der aber über eine Böschung begehbar ist. Des Weiteren gibt es einen Baumbestand, überwiegend aus Obstbäumen, der unberührt geblieben ist.

Basierend auf expliziten Anforderungen, bezüglich der Ausstattung, seitens der Kindergartenleitung, sieht das Raumprogramm drei Nutzungsbereiche vor, wobei zwei dieser Bereiche Aktivitäten wie Klettern und Schaukeln, Plantschen und Matschen, aber auch Verstecken und Zurückziehen gewährleisten sollen. Der dritte Bereich dient der Ruhe beim essen, malen und basteln.

Ziel des Entwurfes war es, einen Kontrast zu den natürlich gewachsenen Formen, Materialien und Farben des gewohnten Umfeldes der Kinder zu kreieren und somit auf optischer und haptischer Ebene das pädagogische Konzept der KiTa zu ergänzen. Der Kreis stellt die Grundform im Entwurf dar. In seiner perfekten Symmetrie impliziert er die gewünschte Künstlichkeit. Diese wird außerdem in der Wahl der Materialien unterstützt. Acrylglas, Gummi, Stahl und Beton kommen vorwiegend zum Einsatz. Des Weiteren fiel die Farbwahl, auf Wunsch der Kindergartenleitung auf die Primärfarben Blau, Gelb und Rot. Ausgehend von einer bestehenden Kindergeschichte („Der Wolkenstein“, Reinhardt Lakomy) galt es, im Zuge des Formfindungsprozesses, über Abstraktion Spielgeräte zu entwickeln, die durch Aneignung seitens der Kinder neue Szenerien entstehen lassen können, so wird eine Räuberhöhle schnell zu einem Drachenmotiv.


In Anbetracht der fünf maßgeblichen Gesichtspunkte zur Formfindung und unter Einbeziehung zulässiger Fallhöhen und Fallschutzflächen mit Sicherheitsradien und –abständen nach DIN- Vorgaben stellt sich der Grundlagenplan wie folgt dar:

Einen Hauptbestandteil der Planung bildet eine blaue Hügellandschaft mit Stahlbäumen und einer großzügigen Fläche mit Spielsand. Außerdem prägen eine rote Höhle und ein gelbes Kletternest, sowie eine Hügelpiste und eine Holzterrasse die neue Landschaft. Die Böschung zum Binnenraum wird sowohl durch eine Rutsche, als auch durch eingelassenen Trittstufen überwunden.


Die drei geplanten Stahlbäume erfüllen in ihren unterschiedlichen Ausführungen jeweils eine andere Funktion. So dient einer dem Klettern, ein weiterer dem Schaukeln. Ein dritter, der Wasserbaum, ist an den Ästen mit Düsen ausgestattet, die durch einen Taster bedient werden und einen feinen Wassernebel versprühen.

Die drei Bäume sind aus konischen Laternenmasten geschnitten und geschweißt, pulverlackbeschichtet und hohlraumversiegelt. An den Ästen befinden sich Blätter aus Acrylglas, die über eine Aluminiumkonstruktion befestigt sind. Vorschriftsmäßig ist die Oberfläche der Hügel durch Fallschutzgranulat ausgeführt, ebenso in und um den Sandkasten. Die Höhen der drei Hügel variieren und entsprechen in ihrer Ausdehnung den Fallschutzradien entsprechend der jeweiligen Funktion.


Die Tragkonstruktion der Höhle besteht aus Winkelsteinen mit Betondecke, als Basis für eine armierte Stahlkonstruktion. Die Oberfläche bildet grob verarbeiteter Spritzbeton. Sowohl Innen- als auch Außenmaße sind in Abhängigkeit von zulässigen Fallhöhen und Sicherheitsabständen definiert. Im Eingangsbereich der Höhle kommt Fallschutzkies im Fallschutzradius zum Einsatz. Dieser bildet ebenso den Fußbodenbelag im Inneren.

Die Oberflächen der Innenwände sind mit phosphoreszierender Farbe behandelt, die durch die Kinder mit einer Taschenlampe aktiviert und so temporär „bemalt“ werden können.


Die, auf der Idee eines Vogelnests beruhende Kletterbox dient ebenso als Kletterobjekt, als auch als Rückzugsort. So befindet sich im Inneren, ein zweite Plattform, etwa einen Meter über dem Boden.

Die ausgesparten Kreise in den Wänden der Box sind maßgeblich durch entsprechende Fallschutzkriterien bestimmt, wie auch die Klettergriffe an der Rückseite. Auch hier bildet wieder Kies den vorgeschriebenen Fallschutzbelag in notwendiger Ausdehnung. Die Kletterbox ist als massive Stahl- Beton- Konstruktion ausgeführt, wobei die Oberfläche glattgezogen und lackiert ist.

Projektdaten

Bauherr: Spremberger Krankenhausgesellschaft mbH
Auftragnehmer: BTU Cottbus, Lehrstuhl Plastisches Gestalten, Professor Jo Achermann
Planungsteam: Linda Bley (Entwurf), Stefan Schreck (Entwurf), Dipl.-Ing. Karsten Meyer (Bauleitung), Gert Bendel (Künstlerische Leitung)
Planungs- und Realisierungszeitraum: April 2007 - Juli 2008


Dokumentation

Die Druckausgabe der Dokumentation zum Projekt kinderSPIELgarten entstand 2012 in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Plastisches Gestalten, BTU Cottbus.

Layout: Linda Bley
Fotos: Linda Bley, Stefan Schreck, Gregor Blisse
Lektorat: Marleen Minde


Impressionen